Lernen – Wissen – Singen – Tanzen
Ein Musikvermittlungsprojekt an St. Jürgen zur
J o h a n n e s p a s s i o n
von Johann Sebastian Bach
Fotos: Marion Boriss, Berlin
Bei dem von der Kulturstiftung des Landes Schleswig-Holstein unterstützten und unter der Schirmherrschaft des Propsten des Kirchenkreises Dithmarschen Dr. Andreas Crystall stehenden Projekt „Danced Passion 2012“, das zurzeit in mehreren Phasen und mit unterschiedlichen Lern- u. Aktionselementen in Heide (Kreisstadt des Landkreises Dithmarschen) abläuft, wird Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums und der Gemeinschaftsschule Heide Ost sowie des Werner-Heisenberg-Gymnasiums die Möglichkeit gegeben, ein zentrales Werk der evangelischen Kirchenmusik umfassend kennenzulernen und durch eine Tanzchoreographie eine musikalische sowie körperlich-sportliche Schulung zu erhalten. Den Abschluss bilden Aufführungen der Johannespassion von Johann Sebastian Bach am 24. und 25. März in der St. Jürgen-Kirche in Heide und in St. Bartholomäus in Wesselburen, bei der neben der Heider Kantorei, Mitgliedern des Landesorchesters Schleswig-Holstein aus Flensburg, Solistinnen und Solisten aus Berlin und Luzern, Schülerinnen und Schüler aus Heide tanzend mitwirken. Dafür wurden von den Lehrerinnen und Lehrern der beteiligten Schulen insgesamt sechs Schulklassen ausgewählt, die Schulleiter der Schulen haben im Vorfeld zugestimmt, dass die choreographische Arbeit in Projektwochen stattfinden kann. Die Jugendlichen werden auf dem Weg zu den Aufführungen von einem Choreographieteam aus Hamburg unter der Leitung von Eva Bernhard, von ihren Lehrerinnen und Lehrern sowie vom musikalischen Leiter der Aufführung Sebastian Schwarze-Wunderlich auf diese Aufgabe vorbereitet. Das Thema Johannespassion spielt im regulären Unterrichtsbetrieb z. B. in den Fächern Musik, Religion, Deutsch, Geschichte und Kunst und Sport eine Rolle (s. u.). Im Kunstunterricht wurde ein sinn- u. Gemeinschaft stiftendes Logo für das Projekt entworfen, das auf T-Shirts, Postkarten und Plakaten verwendet wird.
Am 6. Februar startet die Choreographiephase von Danced Passion 2012. Ab dann werden sechs Schulklassen die Choreographie zur Johannespassion unter Leitung des siebenköpfigen Choreographieteams erarbeiten.
Für alle Beteiligten bietet sich die Chance, nicht nur ein musikalisches Kunstwerk sondern auch sich selbst innerhalb eines gruppendynamischen Prozesses besser kennenzulernen und daran zu wachsen. Außerdem soll die Hemmschwelle gegenüber einem Werk, das Jugendlichen von heute vermutlich fern ist, herabgesetzt werden. Das Kennenlernen des Bereichs Kirchenmusik wird so in einer äußerst kommunikativen Art möglich.
Für die Schulen in Heide wurde eine Zusammenarbeit mit dem Choreographieteam aus Hamburg geschaffen. Die Möglichkeiten, die sonst eher Schulen einer Großstadt haben, werden so auch in den kleinstädtischen Rahmen geholt. Die Schulen selbst werden zu einem intensiven Austausch untereinander und die unterrichtenden Lehrer zu einem interdisziplinären Miteinander angeregt. Zwischen der musikalischen Arbeit innerhalb der Kirchengemeinde und dem schulischen Bereich ist dieses Projekt Anstoß zu einer fruchtbaren Zusammenarbeit.
Projektziele
Am Ende des Projektes “Danced Passion 2012″ haben die beteiligten Schülerinnen und Schüler ein vorgegebenes Thema sowohl intellektuell durchleuchtet als auch leiblich-physisch erfahren. Die Jugendlichen werden etwas von einer Musik erfahren haben, die ihnen fern war, werden deren Struktur und die dazugehörigen Hintergründe kennengelernt und die Möglichkeit gehabt haben, sich im Tanz über eine andere Ebene der Musik zu öffnen. Ein weiteres Anliegen dieses Projektes ist auch, Jugendliche in der Wahrnehmung ihrer selbst und ihres Gegenübers zu stärken. Ähnliche Projekte haben schon gezeigt, dass Jugendliche an so einem Projekt wachsen können und so ein Erlebnis ein Leben lang in positiver Erinnerung bleibt. Nicht zuletzt eröffnet diese Herangehensweise die Chance, einen jahrhundertealten Kulturbereich mit heutigen Mitteln erfahrbar zu machen und setzt vielleicht die Hemmschwelle, sich öfter kirchenmusikalischen Veranstaltungen zu öffnen, herab. Außerdem soll das Interesse für den Bereich Tanztheater geweckt werden.
Die Jugendlichen sollen am Ende des Projektes z. B. sagen können:
- „Ich kenne die Musik der Johannespassion von Bach.“
- „Ich mag diese Musik/mag diese Musik nicht.“
- „Ich habe durch den Tanz die Musik auf besondere Weise erfahren.“
- „Ich würde gerne noch andere Stücke von Bach/andere Werke der Kirchenmusik/andere klassische Werke kennenlernen.“
- „Ich würde gerne mehr mit Tanz machen.“
Projektvorbereitung und Projektablauf von Danced Passion 2012
Zunächst wurden die interessierten Lehrerinnen und Lehrer bei einem Treffen am in das Projekt eingeführt. Gemeinsam sollten Ideen entwickelt werden, auf welch unterschiedliche Arten man sich in verschiedenen Unterrichtsfeldern dem Thema nähern kann. Dabei spielten die unterschiedlichen Interessenlagen der Lehrer eine große Rolle.
Beispiele
1. Musikunterricht
Barockmusik – Affektenlehre – Dramatische Ausdrucksmittel in der Barockmusik –
Entwicklung der Oper und der Kantate, Rezitativ und Arie – Passionsmusik – Hinführung zur Musik der Johannespassion
2. Religionsunterricht
Passion, Sinn von Leiden, Persönliche Leidenswege, Wege aus dem Leid
3. Deutschunterricht
Barocke Dichtung und sprachliche Ausdrucksformen, Untersuchungen zum Text der Johannespassion
4. Geschichtsunterricht
Hintergründe zum Barockzeitalter, absolutistische Monarchie, wie könnte das Lebensgefühl der Menschen gewesen sein? (Beispiele aus dem Leben Johann Sebastian Bachs)
5. Kunstunterricht
kunsthistorische Hintergrund zur Barockepoche, Entwicklung eines sinn- u. gemeinschaftstiftenden Logos zum Projekt, Kleidung der Barockzeit, Entwürfe zu den Kostümen für die Tänzerinnen und Tänzer
6. Sport
Grundlagen des Barocktanzes
Auf Grundlage dieses Treffens wurde ein detaillierter Termin – u. Raumplan erstellt. Festgestellt werden musste auch, wo eventuell im Vorfeld noch nicht bedachte Kosten entstehen.
Die Mitglieder des Choreographieteams, Studierende aus Hamburg, unter anderem aus dem Studiengang „Performance Studies“, absolvieren mit diesem Projekt ein Praktikum und bereiten sich schon in Hamburg mit der Choreographin Eva Bernhardt auf ihre Aufgabe vor. Die sechs Klassen in Heide haben sie bereits kennengelernt und sind dabei auf eine interessierte und motivierte Schülerschaft gestoßen.
Das Ergebnis
Die Ergebnisse aus den Unterrichtsfächern wird eine filmische Dokumentation zusammenfassen. Die choreographische Probenphase wird mit der Kamera begleitet, eine der Aufführungen wird filmisch festgehalten. Sämtliche Ergebnisse werden in den örtlichen, schulischen und kirchlichen Medien präsentiert werden. Eine Präsentation auf den Internetseiten der Schulen und der Kirchengemeinde soll die Arbeit einer eigenen schulischen Projektgruppe sein.
Projektpartner
Ev. – Luth. Kirchengemeinde St. Jürgen
Universität Hamburg, FB Bewegungswissenschaft und Studierender anderer Studiengänge
Gymnasium und Gemeinschaftsschule Heide Ost
Werner-Heisenberg-Gymnasium, Heide
Lehrerinnen und Lehrer der Fächer Musik, Kunst, Religion, Deutsch, Geschichte und Sport an den beteiligten Heider Schulen
Sängerinnen und Sänger der Heider Kantorei
Mitglieder des Sinfonieorchesters des Landestheaters Schleswig-Holstein (Flensburg)
Solistenensemble
Eva Bernhard (Choreographin, Hamburg)
Sebastian Schwarze-Wunderlich (Konzeptionsidee und künstlerische Gesamtleitung)
Eva Bernhard studierte am Mozarteum in Salzburg Elementare Musik- und Tanzpädagogik. Dort absolvierte sie ihren Bachelor sowohl mit dem Schwerpunkt Tanz, als auch mit dem Schwerpunkt Musik. 2010 schloss sie ihren Master of Art im Studiengang „Performance Studies“ an der Universität Hamburg ab.
In ihrem letzten Stück JA SAGEN UND STERBEN 2010 (Kampnagel) beschäftigte sie sich mit Wiederholungsstrukturen und Rhythmus mit Klang/Sprache und Bewegung.
Im März/April 2011 folgte die Zusammenarbeit mit Deufert&Plischke für das Stück ANARCHIV#3: SONGS OF LOVE AND WAR.
Der musikalische Leiter
Sebastian Schwarze-Wunderlich legte sein Examen an der Berliner Kirchenmusikschule ab und schloss an der Hochschule der Künste Berlin (heute Universität der Künste) ein Gesangsstudium im Fachbereich Darstellende Kunst/Musiktheater an. In zahlreichen professionellen Chören (u. a. Rundfunkchor Berlin, Rias Kammerchor, Gewandhauskammerchor Leipzig) hat er als Sänger mitgewirkt, in Berlin war er Leiter bzw. Stimmbildner verschiedener Chöre (z. B. Bach-Chor an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, Neuer Chor Berlin, Dietrich-Bonhoeffer-Kantorei). Seit 2009 ist er Kirchenmusiker an St. Jürgen in Heide und Leiter der Heider Kantorei.
Das Choreographieteam aus Hamburg
von l. n. r.:
Jonas Woltemate, Hannah Wischnewski, Vanessa Thrull, Magdalena Erdmann, Juliana Oliviera, Edda Sickinger, Eva Bernhard


