Neulich in Rendsburg schob ich meinen Kinderwagen. Mit Einkäufen beladen und bei stürmischem Wetter hielt ich mich auf der linken Seite des breiten Fußweges. Rechts grenzt dort nämlich ein viel befahrener Radweg an. Ein kräftiger älterer Fußgänger kam mir frontal entgegen. Ohne groß darüber nachzudenken, erwartete ich, dass er seinen Kurs ein klein wenig ändern würde. Schließlich hatte er nichts zu schieben oder zu tragen, während mich das Manövrieren sichtlich Mühe kostete. Er wich jedoch erst in letzter Sekunde aus und brüllte mich dazu an: „Wir sind doch hier in Deutschland, oder?!” Ich zuckte zusammen. Wahrscheinlich meinte er nur, dass in unseren Breiten, anders etwa als in England, Rechtsverkehr gilt. Aber für mich klang es wie: „Hier herrschen Zucht und Ordnung, und Sie sollten wissen, wo Ihr Platz ist!” Szenen kamen mir in den Kopf von marschierenden Männern, die bestimmte Menschen vom Weg abdrängen. Wenn ich nun auch noch ein Kopftuch getragen hätte… Ein Stück weiter entdeckte ich an einem Laternenpfahl einen Aufkleber: „Deutschland zuerst. NPD – Inländerfreundlich”. Freundlichkeit, die nicht universal ist, ist für mich keine. Freundlichkeit, die nur den streng „ihren” Zentimeter Fußweg Einhaltenden gilt, ist keine. Freundlichkeit, die sich auf „Inländer” beschränkt, schon gar nicht. Um kein falsches Bild zu vermitteln: Mein Vikariat in Rendsburg war insgesamt ebenso schön und bereichernd wie meine Studienjahre in Hamburg. Aber nirgendwo ist eine allen Menschen geltende Freundlichkeit wirklich selbstverständlich. Die Passionszeit, also die Wochen vor Ostern, sind eine wichtige Zeit im Kirchenjahr, um uns zu vergegenwärtigen, was uns zur Freundlichkeit fehlt. Was sind die Strukturen und Mechanismen in der Gesellschaft und in uns selbst, die uns hindern, so zu leben, wie Gott uns anschaut? Großzügig, strahlend, solidarisch? In Jesus Christus begibt sich Gott hinein in unser teilweise so unmenschliches und manchmal einfach allzu menschliches Miteinander. Auf seinem Weg zum Kreuz trifft Jesus auf Feigheit und Neid, Machtstreben und Berechnung, Verrat und Gewalt. Er geht nicht majestätisch daran vorüber. Er nimmt all das mit über den Kreuzesbalken und geht daran zugrunde. Aber das ist nicht das letzte Wort. Mit Ostern kommt das neue Leben zu uns. Gott nimmt aller Feindseligkeit ihre Macht. Ich ahne den sanften Sieg der Freundlichkeit über meine eigene Kleinlichkeit. Wir können feiern und uns zu neuen Aufbrüchen ermutigen lassen. Dass die St.-Jürgen-Gemeinde gerade die Freundlichkeit zu ihrem Anspruch macht, freut mich sehr. In den anderen Heider Gemeinden rechne ich ebenso mit aufgeschlossenen, engagierten Menschen. Und was bringe ich selbst mit? Einen Kinderwagen und das Vergnügen an Freundlichkeit. Die Überzeugung von der Gleichheit der Menschen und die Entschlossenheit, dafür einzutreten. Das Vertrauen auf Gott, der selbst das Gegenstück zur Freundlichkeit durchleidet und überwindet. Und schließlich eine alltägliche Freude, wie sie Bertolt Brecht in dem Gedicht (abgedruckt in der Mitte der Seite) umschreibt.
Einen Hund haben mein Mann, unser Baby Hannes und ich nicht. Schwimmen in der Nordsee wollen wir jedoch, sobald es geht. Und natürlich: freundlich sein, sooft uns Gott dazu verhilft. Ich freue mich darauf, Sie und Euch kennenzulernen, und wünsche uns allen eine gute Passions- und Osterzeit.
Ihre Pastorin Luise Jarck-Albers
Besuchskreis
Die Kirchengemeinden St. Jürgen und Auferstehung planen ein neues Angebot für Menschen, die Interesse und Lust haben, andere Menschen zu besuchen. Der Besuchskreis der beiden Kirchengemeinden wird im März gegründet. Dazu treffen sich alle Interessierten am 8.3. von 17 Uhr bis 18.30 Uhr im Gemeindehaus St.-Jürgen-Mitte, Markt 26a. Dort werden Pastorin Buchin, Pastorin Jarck-Albers und Pastorin Sievers Informationen zum Besuchskreis geben, außerdem schon erste Besuche für den Monat April verteilen. In den monatlichen Treffen des Besuchskreises gibt es für alle Besuchenden die Möglichkeit des Austausches. Besucht werden in erster Linie Menschen zum Geburtstag. Für weitere Informationen stehen Pastorin Buchin (62885), Pastorin Jarck-Albers (689110) und Pastorin Sievers (8286381) zur Verfügung.
Wir setzen Segel
Am Pfingstsonntag, 27. Mai, feiern die beteiligten Kirchengemeinden, -verbände und uns zugetane Menschen die Gründung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Nordeutsch-land, der „Nordkirche”. Und wir Heider wollen gerne mit feiern! Es wird selbstverständlich einen Gottesdienst für die Heider/innen geben, die hier bleiben müssen oder wollen – um 10 Uhr in St. Jürgen. Wir anderen wollen gerne gemeinsam nach Ratzeburg fahren (pro Pers. 15 €), um fröhlich mitzufeiern, wenn Menschen aus Mecklenburg, Pommern, Hamburg und Schleswig-Holstein ihre neue Kirche gründen. Aus über 1.000 Gemeinde kommen Menschen zusammen, feiern einen Festgottesdienst entweder im Ratzeburger Dom oder bei einer der Übertragungsstätten im Freien in der ganzen Stadt, treffen sich zu Gesprächen, Musik, Aktionen. Ganz Ratzeburg ist für den Verkehr gesperrt, die ganze Stadt ist eine Festmeile mit Pavillons, im Freien und den Kirchen der Stadt. Information und Anmeldung im Büro 68 91 10 oder bei Pastorin Buchin 6 28 85.
Passionsandachten Mittwochs, 18 Uhr
22.2. St. Jürgen (Pastorin Buchin). 29.2. Auferstehungskirche (Pastorin Sievers). 7.3. Erlöserkirche (Diakonin Neumann). 14.3. St. Jürgen (Gemeinschaft in der Landeskirche, Prediger Hennemann). 21.3. Auferstehungskirche (Pastorin Sievers). 28.3. Auferstehungskirche (kath. Gemeinde St. Josef, Frau Bolzenius) 2.-4.4. St. Jürgen
Konfirmandenanmeldung
Termine sind: Mittwoch, 30. Mai und Donnerstag, 31. Mai von 17 bis 18.30 Uhr in den Pastoraten bzw. Gemeindehäusern der Gemeinden. Anfragen an die Pastoren vor Ort. Weitere Infos erhalten Sie im Kirchenbüro, Tel. 68 91 10.
Weltgebetstagsgottesdienst – 2. März
In diesem Jahr findet in Heide der Weltgebetstagsgottesdienst in der Erlöserkirche in der Berliner Straße statt. Das Motto lautet „Steht auf für Gerechtigkeit”. Das im Mittelpunkt stehende Land ist Malaysia. Der Gottesdienst am 2.3. beginnt um 18 Uhr.
„Unsere 10 Gebote” ein symbolisches Bindeglied
Vor einem Jahr machte der Heider Bürgerverein der St.-Jürgen-Kirchengemeinde ein ganz besonderes Geschenk: einen massiven Felsstein mit aufmontierter gusseisener Tafel, auf der die 10 Gebote zu lesen sind. Diese Monument hat seinen gut sichtbaren Standort bekommen auf dem Grundstück des kirchlichen St.-Jürgen-Gemeindehauses, ganz in unmittelbarer Nähe des Rathauses. Damit wurde ein städtebauliches Bindeglied installiert im Ensemble von Rathaus und Kirche, von Bürgerhaus und Weltladen, von Volkshochschule und Fußgängerbereich. Gleichzeitig sind die 10 Gebote gedacht als ein Bindeglied für die hier lebenden Menschen unterschiedlicher Herkunft sowie auch als allgemeine Motivation, dem zu beklagenden Werteverfall in der Gesellschaft durch eigenes Verhalten entgegenzutreten. Ein Mahnmal als symbolhaftes Bindeglied in der bürgerlichen Gemeinschaft!
Reinhard Woelk